Magnetfeldtherapie: Wirkung, Anwendung, Kosten & Erfahrungen

Magnetfeldtherapie gehört zu den Verfahren, über die viel geschrieben und wenig einheitlich geurteilt wird. Sie wird in orthopädischen Praxen, in der Rehabilitation und zunehmend auch zu Hause eingesetzt, meist begleitend zu einer ärztlichen Behandlung. Dieser Überblick erklärt, was hinter der Methode steckt, wie eine Anwendung abläuft, womit Sie bei den Kosten rechnen müssen und wo die Grenzen liegen.

Inhaltsverzeichnis

PEMF - Magnetfeldtherapie
Magnetfeldtherapie mit Globus Magnum XL, mit Magnetfeldmatte, Quelle: Globus Italia

Magnetfeldtherapie gehört zu den Verfahren, über die viel geschrieben und wenig einheitlich geurteilt wird. Sie wird in orthopädischen Praxen, in der Rehabilitation und zunehmend auch zu Hause eingesetzt, meist begleitend zu einer ärztlichen Behandlung. Dieser Überblick erklärt, was hinter der Methode steckt, wie eine Anwendung abläuft, womit Sie bei den Kosten rechnen müssen und wo die Grenzen liegen.

Was ist Magnetfeldtherapie?

Magnetfeldtherapie bezeichnet die Anwendung magnetischer Felder auf den Körper zu therapeutischen Zwecken. In der modernen Form arbeitet sie fast immer mit pulsierenden elektromagnetischen Feldern, international abgekürzt als PEMF (Pulsed Electromagnetic Field). Umgangssprachlich sind deshalb beide Begriffe geläufig: Magnetfeldtherapie und PEMF-Therapie meinen in der Regel dasselbe.

Ein PEMF-Gerät besteht aus einer Steuereinheit und einem oder mehreren Applikatoren. Das können ringförmige Spulen (Solenoide) sein, flache Kissen oder eine Ganzkörpermatte. Das erzeugte Feld durchdringt Kleidung, Haut und Gewebe, ohne dass ein direkter Hautkontakt nötig ist. Anders als bei einer Elektrotherapie fließt kein Strom durch den Körper.

Wichtig ist die Abgrenzung zu statischen Magneten wie Magnetarmbändern oder Magnetpflastern. Diese arbeiten mit einem gleichbleibenden Feld ohne Frequenz und Steuerung. Sie haben mit einem geregelten PEMF-Medizinprodukt technisch wenig gemeinsam, auch wenn sie oft unter demselben Sammelbegriff vermarktet werden.

Wie wirkt Magnetfeldtherapie?

Die angenommene Wirkung setzt auf zellulärer Ebene an. Jede Körperzelle hat ein elektrisches Membranpotential, das sich bei Belastung, Entzündung oder mangelnder Durchblutung verändert. Ein von außen angelegtes, gepulstes Magnetfeld induziert im Gewebe schwache elektrische Ströme, die dieses Potential beeinflussen können.

In der Fachliteratur werden vor allem diese Effekte diskutiert:

  • Beeinflussung des Zellmembranpotentials und damit des Ionenaustauschs zwischen Zelle und Umgebung
  • Anregung des Zellstoffwechsels und der Sauerstoffversorgung im behandelten Bereich
  • Verbesserung der Mikrozirkulation, also der Durchblutung in den kleinsten Gefäßen
  • Modulation der Schmerzweiterleitung über Nervenfasern
  • Wirkung auf Knochen- und Sehnen über den sogenannten Piezoeffekt
 

Entscheidend sind dabei zwei Parameter. Die Frequenz liegt bei klassischen Geräten meist zwischen 1 und 100 Hz, also im niederfrequenten Bereich. Die Feldstärke wird in Gauss oder Tesla angegeben und bewegt sich bei Praxis- und Heimgeräten typischerweise zwischen 10 und 200 Gauss. Zum Vergleich: Ein MRT arbeitet mit 15.000 bis 30.000 Gauss. Magnetfeldtherapie ist also ein vergleichsweise schwacher Reiz, der über Wiederholung wirken soll und nicht über Intensität.

Zur Einordnung der Studienlage: Die wissenschaftliche Evidenz ist uneinheitlich. Für einzelne Anwendungsgebiete, etwa die Unterstützung der Knochenheilung bei verzögerter Frakturkonsolidierung, existieren Untersuchungen mit positiven Ergebnissen. Für andere Bereiche fehlen aussagekräftige Daten oder die vorliegenden Studien sind klein und methodisch angreifbar. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die Magnetfeldtherapie bei mehreren Indikationen entsprechend zurückhaltend. Wer eine Anwendung erwägt, sollte das wissen und die Erwartungen daran ausrichten.

Anwendungsgebiete

Magnetfeldtherapie wird überwiegend im orthopädischen und schmerztherapeutischen Umfeld eingesetzt, fast immer begleitend zu anderen Maßnahmen wie Physiotherapie oder medikamentöser Behandlung. Ob und in welchem Umfang die Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, gehört in die Hand des behandelnden Arztes oder Therapeuten. Magnetfeldtherapie ersetzt keine Diagnose und keine ursächliche Behandlung.

Ablauf einer Behandlung

Eine Sitzung dauert je nach Indikation und Gerät zwischen 20 und 60 Minuten. Der Applikator wird über der zu behandelnden Region positioniert oder als Matte untergelegt. Danach passiert für den Anwender wenig: Man liegt oder sitzt entspannt, das Gerät arbeitet und schaltet nach Ablauf der eingestellten Zeit selbstständig ab.

Ein Punkt überrascht viele Erstanwender: Man spürt die Behandlung in der Regel nicht. Kein Kribbeln, keine Muskelkontraktion, allenfalls ein leichtes Wärmegefühl. Das ist bei niederfrequenter PEMF-Therapie normal und kein Zeichen für ein defektes Gerät. Viele Hersteller legen deshalb einen kleinen Testmagneten bei, an dem sich die Feldaktivität sichtbar prüfen lässt.

Zur Häufigkeit: Übliche Behandlungspläne sehen tägliche oder mehrfach wöchentliche Anwendungen über einen Zeitraum von mehreren Wochen vor. Regelmäßigkeit gilt als der wichtigere Faktor gegenüber der Einzeldosis. Genau daraus ergibt sich der praktische Vorteil der Anwendung zu Hause, denn ein tägliches Programm über sechs Wochen lässt sich mit Praxisterminen kaum organisieren.

Kosten und Krankenkasse

Bei den Kosten der Magnetfeldtherapie gibt es zwei getrennte Wege.

Behandlung in der Praxis: Magnetfeldtherapie wird von niedergelassenen Ärzten und Physiotherapeuten in aller Regel als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet. Die Preise pro Sitzung bewegen sich je nach Praxis, Region und Behandlungsdauer meist im niedrigen zweistelligen Eurobereich. Bei einer Serie von 10 bis 20 Sitzungen summiert sich das entsprechend.

Eigenes Gerät: Einfache Heimgeräte beginnen bei wenigen Hundert Euro. Geräte mit mehreren Kanälen, umfangreicher Programmbibliothek und CE-Zulassung als Medizinprodukt liegen im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich. Professionelle Praxissysteme mit vier unabhängigen Kanälen, Trolley und Klinikprotokollen erreichen einen vierstelligen Betrag. Wer eine mehrwöchige tägliche Anwendung plant, erreicht den Kaufpreis eines Heimgeräts rechnerisch oft schon nach einer Behandlungsserie in der Praxis.

Übernahme durch die Krankenkasse: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Magnetfeldtherapie grundsätzlich nicht. Sie zählt nicht zum Leistungskatalog der GKV, weil der Gemeinsame Bundesausschuss den Nutzen als nicht ausreichend belegt einstuft. Ausnahmen sind eng begrenzt und betreffen einzelne stationäre oder rehabilitative Zusammenhänge. Private Krankenversicherungen und Zusatzversicherungen handhaben das unterschiedlich, hier lohnt eine schriftliche Anfrage vor Behandlungsbeginn. Verlassen Sie sich nicht auf mündliche Zusagen und nicht auf Aussagen von Anbietern zur Erstattungsfähigkeit.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Magnetfeldtherapie gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung als gut verträglich. Berichtete Nebenwirkungen sind selten und meist mild: leichte Müdigkeit nach der Sitzung, ein Wärmegefühl im behandelten Bereich, gelegentlich eine vorübergehende Zunahme der Beschwerden in den ersten Anwendungen. Schwindel oder Herzklopfen sind ein Grund, die Behandlung sofort abzubrechen und ärztlich abklären zu lassen.

Deutlich wichtiger als die Nebenwirkungen sind die Gegenanzeigen. Die folgenden Punkte gelten bei den meisten Herstellern als absolute Kontraindikationen:

  • Herzschrittmacher und andere aktive Implantate wie Defibrillatoren, Insulinpumpen oder Cochlea-Implantate
  • Schwangerschaft, insbesondere in den ersten Monaten
  • Ferromagnetische Metallimplantate im Behandlungsgebiet, etwa Platten, Schrauben oder Gefäßclips
  • Herzrhythmusstörungen, auch bei medikamentöser Behandlung
  • Epilepsie
  • Krebserkrankungen und Tuberkulose
  • Akute Infektionen und Fieber
  • Kinder und Jugendliche, sofern der Arzt keine ausdrückliche Freigabe erteilt
 

Vorsicht ist außerdem geboten bei Spirale, bei offenen Wunden im Behandlungsgebiet und bei der Einnahme von Kalziumkanalblockern. Die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Geräts ist maßgeblich, denn die Angaben unterscheiden sich zwischen Herstellern. Wer eine der genannten Bedingungen erfüllt oder unsicher ist, klärt die Anwendung vorab ärztlich ab.

Erfahrungen mit der Magnetfeldtherapie

Erfahrungsberichte zur Magnetfeldtherapie fallen sehr unterschiedlich aus, und das hat nachvollziehbare Gründe.

Auf der positiven Seite steht, dass die Anwendung passiv, schmerzfrei und zeitlich flexibel ist. Anwender mit chronischen Beschwerden schätzen häufig, dass sie zusätzlich zu Physiotherapie oder Medikation etwas Eigenständiges tun können, ohne Aufwand und ohne spürbare Belastung. Bei einem Teil der Anwender bleibt der erhoffte Effekt allerdings aus. Rückmeldungen dieser Gruppe nennen typischerweise zwei Enttäuschungen: dass während der Sitzung nichts zu spüren ist und dass sich nach wenigen Anwendungen noch keine Veränderung zeigt.

Bei der Bewertung solcher Berichte sind drei Einschränkungen relevant. Subjektive Erfahrungen unterliegen Placeboeffekten und natürlichen Krankheitsverläufen, gerade bei Beschwerden, die ohnehin in Schüben verlaufen. Die Anwendungen unterscheiden sich stark in Frequenz, Feldstärke und Dauer, sodass sich Berichte kaum vergleichen lassen. Und Erfahrungsberichte im Netz stammen überproportional von Menschen mit sehr guten oder sehr schlechten Ergebnissen. Erfahrungsberichte ersetzen deshalb keine Studienevidenz und keine ärztliche Einschätzung.

Zu Hause oder in der Praxis?

Die Entscheidung hängt weniger von der Technik ab als von der Behandlungsdauer. Für eine begrenzte Serie unter therapeutischer Begleitung ist die Praxis der richtige Ort. Für eine längerfristige, regelmäßige Anwendung spricht das eigene Gerät.

Magnetfeldtherapie zu Hause setzt Geräte voraus, die für die Selbstanwendung ausgelegt sind: verständliche Bedienung, vorinstallierte Indikationsprogramme, überschaubares Gewicht. Eine deutschsprachige Gebrauchsanweisung und eine CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt sollten Mindestanforderung sein. Eine Übersicht dieser Geräte finden Sie in unserer Kategorie Magnetfeldtherapie für zu Hause.

In der Praxis gelten andere Anforderungen: mehrere unabhängige Kanäle für parallele Behandlungen, dokumentierbare Protokolle, Dauerbetriebstauglichkeit. Diese Systeme finden Sie unter professionelle Magnetfeldtherapie.

Drei Geräte werden bei uns besonders häufig nachgefragt:

  • Globus Magnum 3500 Pro für die Praxis: vier unabhängige Kanäle, mit denen sich vier Körperzonen oder vier Patienten gleichzeitig behandeln lassen, dazu ein Multifrequenz-Modus.
  • BEMER Premium Set Evo für zu Hause: Ganzkörpermatte mit einfacher Programmsteuerung, ausgelegt auf kurze tägliche Anwendungen. Physikalische Therapie mit nachgewiesener Wirkung auf die Verbesserung der Durchblutung in den Mikrogefäßen.
  • I-Tech LaMagneto X Kombi mit Magnetfeldmatte als Übergang zwischen beiden Welten: 63 vorinstallierte Programme, zwei unabhängige Kanäle, bis 200 Gauss, CE-Klasse IIa.

Häufige Fragen zur Magnetfeldtherapie

Ist Magnetfeldtherapie wissenschaftlich belegt?

Nur teilweise. Für einzelne Indikationen wie die Unterstützung der Knochenheilung gibt es Studien mit positiven Ergebnissen, für viele andere Anwendungsgebiete ist die Datenlage dünn oder widersprüchlich. Der IGeL-Monitor bewertet die Methode bei mehreren Indikationen zurückhaltend. Magnetfeldtherapie sollte deshalb als begleitende Maßnahme verstanden werden, nicht als Ersatz für eine gesicherte Behandlung.

Was kostet ein Magnetfeldtherapie-Gerät für zu Hause?

Einfache Einsteigergeräte gibt es ab einigen Hundert Euro. Geräte mit mehreren Kanälen, umfangreicher Programmbibliothek und Zulassung als Medizinprodukt der Klasse IIa liegen im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich. Ganzkörpermatten-Sets bekannter Hersteller können deutlich darüber liegen.

Übernimmt die Krankenkasse die Magnetfeldtherapie?

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht, da die Therapie nicht im GKV-Leistungskatalog enthalten ist. Private Versicherer und Zusatztarife entscheiden im Einzelfall. Holen Sie sich vor Behandlungsbeginn eine schriftliche Auskunft Ihrer Versicherung.

Wie lange dauert es, bis eine Wirkung eintritt?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten und hängt von Beschwerdebild, Gerät und Anwendungshäufigkeit ab. Übliche Behandlungspläne sind auf mehrere Wochen mit regelmäßigen Sitzungen ausgelegt. Nach zwei oder drei Anwendungen eine Veränderung zu erwarten, ist in den meisten Fällen unrealistisch.

Darf ich Magnetfeldtherapie mit einem Herzschrittmacher anwenden?

Nein. Ein Herzschrittmacher und andere aktive Implantate gelten bei praktisch allen Herstellern als absolute Gegenanzeige, weil das Magnetfeld die Gerätefunktion stören kann. Das gilt auch für niedrige Feldstärken.

Spürt man Magnetfeldtherapie?

Meist nicht. Niederfrequente PEMF-Anwendungen lösen keine Muskelkontraktion und kein Kribbeln aus. Ein leichtes Wärmegefühl im Behandlungsgebiet kommt vor. Ob das Feld aktiv ist, lässt sich bei vielen Geräten über einen mitgelieferten Testmagneten prüfen.

Wenn Sie den Kauf eines Geräts erwägen

Dieser Artikel ordnet die Methode ein. Wenn Sie bereits weiter sind und konkret nach einem Gerät für die Anwendung zu Hause suchen, geht unser Leitfaden zum Kauf von Magnetfeldtherapie-Geräten auf die Auswahlkriterien im Detail ein: Feldstärke, Applikatortypen, Programmumfang, Zulassungsklasse und worauf bei Garantie und Service zu achten ist.

Bei Fragen zu einzelnen Geräten oder zur Eignung für eine Praxis beraten wir Sie gern telefonisch unter 05561 3108680 oder per E-Mail an support@cardiovibe.de.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Sprechen Sie vor Beginn einer Magnetfeldtherapie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen, Implantaten oder in der Schwangerschaft.

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